Diese Seite wurde zuletzt am 19.10.2015 geändert
KiTa Übergang KiTa-Schule
Beim Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Schule haben viele Eltern viele Fragen, u.a. auch zu diesen Themen:

Beratungsgespräch mit den ErzieherInnen:

In vielen Kindertageseinrichtungen ist es üblich, dass die ErzieherInnen im letzten Kindergartenjahr mit den Eltern ein Gespräch darüber führen, wie es weitergehen könnte. Nehmen Sie dieses Gespräch als das, was es ist: Ein Beratungsgespräch. Ob Sie mit Ihrem Kind in der Schule inklusive Wege gehen, ist allein Ihre Entscheidung. Gut ist es, wenn Sie die Beobachtungen und Erfahrungen der ErzieherInnen mit in Ihre Entscheidung einbeziehen können. Wertungen und Äußerungen wie "Ihr Kind braucht…", "Ihr Kind kann nicht…", "Sie sollten…", "sie müssen…" finden wir allerdings schwierig. Denn das neue Schulgesetz respektiert den "elterlichen Erziehungsplan". Das erwarten wir auch von allen MitarbeiteriInnen in den Kindertageseinrichtungen, und auch Sie können das erwarten.



Kooperation Kindergarten-Schule:

Die Verwaltungsvorschrift "Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule" sieht eine intensive Kooperation zwischen Kindertageseinrichtung und Schule vor. An den Grundschulen (und auch an den Förderschulen) sind bestimmte Lehrer für die Kooperation zwischen Kindergarten und Schule zuständig, vor allem im letzten Kindergartenjahr. Für Eltern wichtig: Die Eltern müssen über die Ziele, Inhalte und Maßnahmen der Kooperation informiert werden. Sofern sich die Kooperation auf einzelne Kinder bezieht, ist dazu eine schriftliche Einwilligung der Eltern einzuholen. Für Eltern, die eine inklusive Beschulung ihres Kindes wünschen, sind die KooperationslehrerInnen erste AnsprechpartnerInnen, die sie - neben den Rektorinnen von Grund- und Sonderschulen oder ggf. Frühförderstellen - über die nötigen Schritte vor und während des Anmeldeverfahrens unterrichten und beraten sollen. Es ist es aus unserer Sicht wichtig, schon bei den ersten Kontakten mit dem schulärztlichen Dienst und den KooperationslehrerInnen ausdrücklich auf den Wunsch nach inklusiver Beschulung hinzuweisen und dafür zu sorgen, dass dieser Wunsch auch in den Unterlagen vermerkt wird, also lange bevor eine "offizielle" Meldung vorliegt.



Die Einschulungsuntersuchung (ESU):

Für alle Kinder in Baden-Württemberg ist die Teilnahme an der Einschulungs-untersuchung (ESU) Pflicht. Sie erfolgt landesweit nach einem einheitlichen Verfahren, das die Gesundheitsämter in zwei Schritten durchführen.

In einem 1. Schritt 24 bis 15 Monate vor der voraussichtlichen Einschulung (in der Regel im vorletzten Jahr vor Einschulung) werden die Eltern bzw. sorgeberechtigten Personen gebeten, freiwillig einen Fragebogen auszufüllen. Bei allen Kindern wird durch eine medizinische Assistentin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes des Gesundheitsamts eine Basisuntersuchung (Screening) durchgeführt. Außerdem müssen der Impfpass und das Untersuchungsheft für Kinder vorgelegt werden.

Bei Schritt 1 der Einschulungsuntersuchung wird seit 2009 mit dem Heidelberger Auditiven Screening in der Einschulungsuntersuchung (HASE) eine Sprachentwicklungsdiagnose durchgeführt. Sie soll Verzögerungen oder Störungen bei der Sprachentwicklung aufdecken als Grundlage einer frühzeitigen gezielten Förderung. (Für die Sprachförderung ab dem ersten Kindergartenjahr können die Träger ab 2012/13 unter dem Dach von SPATZ (Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf) zwei Förderwege wählen: die intensive Sprachförderung (ISK) und/oder Singen-Bewegen-Sprechen (S-B-S).

In einem 2. Schritt in den Monaten vor der Einschulung werden alle Kinder, die keine Kindertageseinrichtung besuchen, ärztlich untersucht. Außerdem entscheidet der Arzt darüber, ob ein im 1. Schritt diagnostiziertes Kind erneut begutachtet wird, um seine "Schulfähigkeit" zu beurteilen. Schulfähigkeit" ist ein Ausdruck, der in Zeiten von Inklusion nicht mehr gedacht und verwendet werden sollte, denn kein Kind ist nicht schulfähig, aber viele Schulen leider nicht "kinderfähig" für alle Kinder. Allerdings sollen durch die vorgezogene Einschulungsuntersuchung Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Kinder mit großem Unterstützungs-bedarf sowie Kinder mit geringen familiären Entwicklungsmöglichkeiten möglichst frühzeitig erkannt und gefördert werden. Für sie können nach unterschiedlichen Modellen sog. Präventivklassen eingerichtet werden. Bei einem "Runden Tisch Schulreifes Kind", an denen Eltern der betreffenden Kinder, Schule, Kindergarten, Gesundheitsamt, evtl. Frühförderstelle, Beratungslehrer und weitere Personen teilnehmen, werden diese vorgestellt und/oder bedarfsgerecht ausgestattet. Unserer Meinung nach wird in diesen Modellen allerdings vor allem darauf geschaut, Kinder mit Förderbedarf für die Grundschule "fit" zu machen, statt für Kinder, deren Förderbedarf bleibt, inklusive Angebote in den allgemeinen Schulen zu eröffnen und weiter zu entwickeln.

Auf der Website des Kultusministeriums sind weitere Informationen zu finden.



Grundschulförder- und Diagnoseklassen:

Grundschulförderklassen werden an Grundschulen geführt und sollen zurückgestellte schulpflichtige Kinder durch gezielte Förderung so fördern, dass eine zielgleiche Aufnahme in die erste Klasse möglich wird. Kinder mit Behinderungen, für die ein sonderpädagogisches Bildungsangebot diagnostiziert wird, werden in eine Grundschulförderklasse nicht aufgenommen.

Einige Förderschulen (neu: SBBZ mit dem Schwerpunkt Lernen) bieten sog. "Diagnoseklassen" an. Sie sind (nach eigener Aussage) eingerichtet für Schulanfänger, für die der richtige Förderort noch nicht gefunden wurde und deren Lern- und Entwicklungs-möglichkeiten weiterer Diagnostik und Förderung bedürfen sowie für vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder, für die die Anforderungen in der Grundschulförderklasse zu hoch sind, und die sonst im allgemeinen Kindergarten verbleiben würden. Ziel sei nicht der Verbleib in der "Sonderschule", sondern für jedes Kind den am besten geeigneten Förderort zu finden. Allerdings zeigen unsere Erfahrungen, dass dies kritisch zu beurteilen ist. Oft sind diese Klassen kombiniert mit den 1. Klassen der Förderschule. Eine weitere Diagnostik - die ebenfalls kritisch einzuschätzen ist - findet kaum statt. Aus unserer Sicht sind Grundschulförderklassen ebenso wie Diagnoseklassen nur bedingt vereinbar mit dem Konzept der Inklusion. Vielmehr halten wir es für wichtig, dass Grundschulen so ausgestattet werden, dass sie für alle Kinder angemessene, individualisierte Angebote machen können.