Diese Seite wurde zuletzt am 14.06.2016 geändert
Aktuell Aktuelle Berichte Die offene Kinderwerkstatt der PH Heidelberg
Die offene Kinderwerkstatt der PH Heidelberg - unser VHS-Abend (04/2016)

Die Studierenden Bianca Bayer, Isabel Haaß und Katharina Kerzel und ihre Dozentin Frau Dr. Sansour stellten dem Plenum anhand einer Präsentation die offene Kinderwerkstatt vor.

Im Mittelpunkt der Werkstatt stehen Grundschulkinder mit und ohne Behinderung, die vom Team in ihrem selbstständigen Tun in einer anregenden Lernumgebung unterstützt und beobachtet werden. Die Zusammensetzung der Gruppe war sehr heterogen mit Kindern mit und ohne Behinderung. Darauf wurde vor der Durchführung geachtet.

Die Studierenden berichten, dass sich durch das zeitlich unterschiedliche Eintreffen der Kinder ein Ankommen und Eingewöhnen ganz von selbst ergeben hat. Ohne dies geplant zu haben, erweiterte das Team ihr Angebot genau um diesen wichtigen Punkt.

Die Angebote werden so strukturiert, dass die Kinder bei Bedarf sehr einfach aber zielgerichtet in Kooperation treten müssen. Sei es nur durch das Erfragen von Hilfe oder das gegenseitige Reichen von Materialien u.s.f. Manche Aufgaben konnten Kinder auch nur durch bewusste Zusammenarbeit bewältigen.

Die Teammitglieder berichten, dass sie während der Spiel- und Arbeitsphasen eher eine passive Rolle einnehmen mussten. Für die Studierenden der allgemeinen Pädagogik war dies zunächst schwierig auszuhalten, hatten sie nicht ständig das Gefühl, die Handlungen motivierend initiieren und begleiten zu müssen. Schnell wich dieses Gefühl jedoch der Erkenntnis vom Gewinn von Ressourcen und der Selbsttätigkeit der Kinder.

Die Kinder fragten sich zuerst untereinander, wenn sie Probleme hatten oder Hilfe benötigten. Dadurch hatten Sie viele unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten. Helfen und Hilfe bekommen erwies sich wechselseitig als wichtige Erfahrung hinsichtlich des Selbstkonzeptes der Kinder.

Die Studierenden berichteten von der Entwicklung aller Kinder im Umgang miteinander. Im Raum stehende Fragen über etwaige Verhaltensweisen oder offensichtliche Behinderungen wurden sehr ernst genommen, aber nicht etwa befördert oder angestoßen, sondern behutsam aber klar beantwortet. Manchmal entstanden auch spontan Gespräche zum Handicap unter den Kindern mit und ohne Behinderung.

Das PH-Team arbeitete in ihrer Reflexion ganz wichtige Grundpfeiler des Gelingens von Inklusion und Teilhabe auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Besonders aufgefallen war die generelle positive Grundhaltung aller Kinder, die sich durch das gemeinsame Wirken prozesshaft entwickeln durfte. Ebenso konnten alle Teammitglieder bei sich selbst Veränderungen in ihrer Haltung feststellen. Zwar findet die Kinderwerkstatt nicht in einem Zwangskontext statt, dennoch gleichen sich die Werte und Haltungen, die eine inklusiv arbeitende Schule benötigt.

Frau Dr. Sansour, die Dozentin des Projekts stellte zum Schluss noch einmal heraus, dass gelingende Inklusion nicht nur mit üppigen Ressourcen und Personal gelingt, sondern sehr eng an Teamarbeit, Vorbereitung der Lernangebote und vor allem an der Einstellung der handelnden Personen und deren Haltung und Menschenbild verknüpft ist.

Die Studierenden sprachen in ihrem persönlichen Fazit davon, dass die Vorbereitung, Planung und Durchführung sehr mühevoll war, jedoch das Ergebnis und der Lernerfolg der Kinder ein sehr hohes Maß erreichte und es sich dadurch sehr bezahlt gemacht hat. Auch die persönliche Sichtweise auf die Rolle der Lehrenden hat viele neue Aspekte mit sich gebracht und soll zukünftig in die Ausgestaltung des Studiums mit einfließen.

(Holger Wallitzer-Eck)