Diese Seite wurde zuletzt am 21.11.2011 geändert
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Warminksi-Leitheußer
"Inklusions-Irrweg": Offener Brief an Kultusministerin Warminksi-Leitheußer (11/2011)

Gemeinsam mit der LAG Baden-Württemberg haben wir am 20.11. 2011 folgenden Offenen Brief an die neue Kultusministerin geschrieben:

OFFENER BRIEF

Sehr geehrte Frau Warminski-Leitheußer, im folgenden möchten wir Sie auf eine Entwicklung in Ihrem Hause hinweisen, die uns zutiefst beunruhigt und Sie bitten, diese eingeschlagene Richtung möglichst schnell zu korrigieren.

Neue Landesregierung auf Inklusions-Irrweg!

Die neue Landesregierung plant mit der Einrichtung von Schwerpunktschulen, die punktuell in Baden-Württemberg entstehen sollen, das Thema "Inklusion" abzuhaken - kostengünstig und ohne das gegliederte Schulsystem mitsamt seinen Sonderschulen in Frage zu stellen. Dies hal-ten wir Eltern für einen fatalen Irrweg.

Anstatt im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) den Kindern mit Behinderungen zu ermöglichen, wie alle anderen Kinder der Stadt oder der Gemeinde wohnortnah zur Schule zu gehen, sollen Kinder mit Handicap weiterhin mit Bussen hin- und hergefahren werden zu den sog. "inklusiven Schwerpunktschulen".

Das heißt nichts anderes als: Unsere Kinder mit Behinderungen bleiben wieder "außen vor" und können nicht gemeinsam mit ihren Freunden zur Schule gehen. Baden-Württemberg entwickelt sein Schulsystem nicht inklusiv, sondern fügt seinen neun (!) Sonderschularten noch eine zehnte Sonder-Schule hinzu: Die Schwerpunktschule.

Die neue Landesregierung will so den Weg des geringsten Widerstandes gehen: Das Ganze scheint finanzierbar, ohne das bestehende Sonderschulsystem ernsthaft in Frage zu stellen und ohne die starke Sonderschullobby ernsthaft zu verärgern.

Politikwechsel sieht anders aus! Von der Oppositionsbank war es einfach, ein inklusives Schul-system zu fordern. Es jetzt wirklich umzusetzen, dafür fehlt anscheinend auch heute der politi-sche Wille in der grün-roten Stuttgarter Landesregierung - oder der Mut.

Uns Eltern geht es nicht darum, dass unsere Kinder mit irgendwelchen nichtbehinderten Kindern irgendwo zur Schule gehen dürfen, sondern darum, dass sie selbstverständlich vor Ort dazu gehören - in den örtlichen Schulgemeinschaften, und zwar in allen Schulen und in allen Schulformen. Nur das ist "Inklusion".

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Heizmann und Kirsten Ehrhardt