Diese Seite wurde zuletzt am 11.01.2010 geändert
Aktuell Aktuelle Berichte Gemeinsamer Unterricht
Eltern wollen gemeinsamen Unterricht (1/10)

Viele Eltern haben wir in den vergangenen Monaten kennen gelernt, die eine integrative Beschulung ihres Kindes in einer Regelschule möchten: Gemeinsamer zieldifferenzierter Unterricht gemeinsam mit den nicht behinderten Freunden. Einige haben ihre Projekte und Anträge bei unserem letzten Monatstreffen vorgestellt und dabei festgestellt: Es ist wichtig, dass wir voneinander wissen, und dass unsere Vorhaben öffentlich gemacht werden. Dazu wollen wir auf unserer Internet-Seite einen Beitrag leisten. Die Eltern, die wir kennen gelernt haben, beschreiben hier, was sie schon unternommen haben, und was sie vorhaben.

WALLDORF 1
Wir sind vier Walldorfer Eltern und haben für unsere Kinder Ruben, Ronja, Christopher und Henri mit ganz unterschiedlichen Handicaps Anträge auf eine integrative Beschulung in der örtlichen Regelgrundschule, der Schillerschule, für das Schuljahr 2010/2011 gestellt. Die Menschen bei uns im Ort, die unsere Kinder von klein auf als einen Teil der Gemeinschaft in Kindergarten, Kirche und Vereinen kennen, brauchten wir nicht zu überzeugen. Im Gegenteil: Wir haben in Walldorf eine Schule mit einem engagierten Schulleiter, einem integrationserfahrenen Lehrer-Team, Elternbeiräten, die uns unterstützen, mit den räumlichen Möglichkeiten, mit Lehrerinnen, die die Klasse gerne übernehmen würden und hinter dem Konzept eines zieldifferenzierten Unterrichts stehen. Wir leben in einem Ort, der viel für Kinder und Jugendliche tut, wir sind Eltern, die ihre Kinder von klein auf integriert haben und zu aller Unterstützung bereit sind. Ideale Voraussetzungen also, um modellhaft einmal zu zeigen, wie Integration in der Schule möglich sein kann. Nun sind die Behörden, vom Schulamt bis hin zum Kultusministerium, am Zuge und können zeigen, dass auch sie sich in Baden-Württemberg auf den Weg gemacht haben, die UN-Konvention im Sinne einer Schule für alle umzusetzen. Da sich unsere Anträge im Rahmen der in BW ohnehin sehr engen gesetzlichen Rahmenbedingungen bewegen, braucht es aus unserer Sicht nur den Willen und das Engagement, diese Integrationsklasse mit entsprechender sonderpädagogischer Zusatzausstattung einzurichten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir wünschen uns so sehr, im Herbst ein Schultütenbild herum mailen zu können, das unsere Kinder glücklich neben ihren kleinen Kindergartenfreunden zeigt.
Kontakt: Kirsten Ehrhardt

WALLDORF 2
Jan, unser Sohn mit Down Syndrom, wird zum Schuljahr 2011/ 2012 Schulkind werden. Da wir im Einzugsgebiet der Schillerschule in Walldorf leben, wünschen wir uns selbstredend für Jan den Schulbesuch dort nur wenige Gehminuten von unserem Zuhause entfernt. Jan soll morgens -wie seine gleichaltrigen Nachbarskinder auch- mit Brotbox und Schulranzen gewappnet zur Schule am Wohnort laufen dürfen. Die Schillerschule hat seit Jahren sehr gute Erfahrungen mit integrativer Beschulung in Form von Außenklassen, startet ein Jahr vor Jans Einschulung mit einer Intensivkooperationsklasse- was können wir uns mehr für Jan wünschen als solch eine aufgeschlossene Schule? Für Jans jüngere Schwester wird es einmal selbstverständlich sein, diese Schule zu besuchen. Für uns ist es das ebenso für Jan - großer Herzenswunsch, überzeugter Elternwille: Jan als ganz gewöhnlicher kleiner Schuljunge- auch mit einem Chromosom mehr! Unser "Antrag auf integrative Beschulung für Kinder mit besonderem Förderbedarf" liegt der Schillerschule Walldorf bereits vor und wurde über diese an das Schulamt Mannheim weitergeleitet. Falls Ihr Kind mit besonderem Förderbedarf auch 2011 Schulkind wird, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.
Kontakt: Familie Guld

MANNHEIM
Wir sind vier Mütter mit insgesamt fünf behinderten Kindern aus Mannheim. Kennengelernt haben wir uns, weil wir das große Glück haben, dass unsere Kinder den integrativen Regenbogen-Kindergarten in Mannheim besuchen können. Wir alle haben am eigenen Kind erlebt, was für ungeahnte Entwicklungseffekte auftreten können, wenn Kinder mit Handicap zusammen mit "normalen" Kindern aufwachsen. Jeden Tag beobachten wir Fortschritte, die in reinen Behindertengruppen so nicht aufgetreten wären. Deswegen möchten wir unbedingt, dass diese überaus positive Entwicklung auch nach dem Übertritt in die Grundschule weitergeführt wird. Für vier von unseren Sprösslingen steht dieser schon im Herbst an, ein Kind ist noch jünger und wird 2011 schulpflichtig. Die Elterninitiative Rhein-Neckar des Vereins "Gemeinsam Leben-Gemeinsam Lernen" stellt für uns eine unschätzbare Hilfe auf unserem Weg dar, unsere Kinder in den Grundschul-Regelunterricht zu integrieren.
Kontakt: Über die Elterninitiative.

WEINHEIM
Wir sind sechs Elternpaare aus dem Raum Weinheim (BW), haben im Sommer 2009 eine Interessensgemeinschaft gegründet, und fordernd die inklusive Beschulung unserer Kinder mit Behinderung. Fünf unserer Kinder werden im Schuljahr 2010/11 schulpflichtig, eines 2011/12. Wir erstreben jedoch aus jeweils individuellen Beweggründen eine Rückstellung und gehen davon aus, dass die entsprechenden Anträge Anfang 2010 genehmigt werden. Das heißt, unsere Kinder werden im Jahr 2011/12 eingeschult. Sie haben unterschiedlichste Behinderungen mit entsprechend variierendem Förderbedarf. Im Rahmen einer Einzelintegration besuchen sie alle einen wohnortnahen Regelkindergarten und sind dort sehr gut integriert, glücklich und entwickeln sich optimal. Wir wünschen uns für unsere Kinder mehr als das, was uns basierend auf dem zur Zeit (noch?) gültigen Schulgesetz BW angeboten wird. Das Modell der Außenklasse (AK) sowie das der sehr ähnlich konzipierten Intensivkooperation (IK) erscheint uns als nicht ausreichend für eine "wahrhaftige" Gleichberechtigung unserer Kinder im Sinne der UN-Menschenrechte. Das von uns geschätzte ISEP (Integratives Schulentwicklungsprojekt) wird leider nicht mehr genehmigt. Also fordern wir ein innovatives GU-Schulprojekt (GU=Gemeinsamer Unterricht), dessen wünschenswerte Rahmenbedingungen wir im Folgenden skizzieren:
  • die frühzeitige (und damit sofort beginnende) Suche nach einer Weinheimer Schule, die gern ein innovatives GU-Schulprojekt mit unseren Kindern durchführen möchte, dies am besten über die vierte Klasse hinaus bis zum Schulabschluss
  • die gemeinsame Einschulung unserer Kinder an einer wohnortnahen Grund- bzw. Regelschule als Schüler der Regelschule; (allgemein formuliert: das schulrechtliche Fundament für den Anspruch unserer Kinder auf sonderpädagogische Förderung entsprechend ihrem Grad der Behinderung, dies als Schüler einer allgemeinbildenden Schule, sprich: eine Novellierung des Schulgesetzes)
  • die Klassengröße darf die Zahl von max. 25 Kindern nicht überschreiten (besser wären noch weniger Kinder ...)
  • auch die Kinder mit Förderbedarf müssen beim Klassenteiler voll mitgezählt werden (bei AK/IK nicht der Fall)
  • die Garantie, dass unsere Kinder bis zur Versetzung auf die weiterführende Schule an der Grundschule bleiben können, auch wenn sich Klassengröße oder andere Rahmenbedingungen ändern
  • die frühzeitige Festlegung der betreuenden Pädagogen für die Integration zur rechtzeitigen Teamfindung und Projektvorbereitung
  • den gemeinsamen Unterricht in allen Schulstunden
  • die Unterstützung der Kinder sowie der Grundschullehrer während aller Unterichtsstunden (Vollzeit) durch SonderschulpädagogenInnen und FachlehrerInnen, bei Bedarf auch durch HeilpädagogenInnen und Schulbegleiter/innen (Teamteaching)
  • Konzept für die Vertretungsregelung im Krankheitsfall der zuständigen Lehrer
  • Schulung der auserwählten Lehrer, sofern nötig
  • offener, projektorientierter, binnendifferenzierter und individualisierender Unterricht
  • Notenverordnungen/Prüfungsordnungen müssen Chancengleichheit gewähren
  • Zeugnisgestaltung muss dem Entwicklungsniveau des Kindes angemessen sein (siehe z.B. Bericht über Bildungsguthaben Südtirol)
  • die Sicherstellung des Transportes unserer Kinder bzw. Übernahme der Fahrtkosten, sofern das Kind nicht im Einzugsbereich der Schule wohnt
  • Bereitstellung der notwendigen Sach- und Hilfsmittel
  • die Finanzierung dieses Projekts aus einem von den Sonderschulen und Frühförderstellen unabhängigen Budgets für Integrationsmaßnahmen
Im Juli 2009 hat die Interessengemeinschaft Kontakt zum Schulamt aufgenommen und bereits einige Gespräche geführt.
Kontakt: Sprecherin Annette Trube

HORRENBERG
Unser Sohn wird im April 2010 sechs Jahre alt, und bereits seit Frühling 2009 sind wir auf der Suche nach einem integrativen Schulplatz. Wir haben zunächst über die örtliche Grundschule einen Antrag auf integrative Beschulung gestellt und diesem beim Schulamt eingereicht. Der Empfang wurde uns durch Herrn Hager-Mann bestätigt und uns wurde zugesagt, dass das Schulamt zwecks weiterer Schritte auf uns zukommen würde. Darauf hin meldete sich Frau Schichor und ging auf unseren Vorschlag ein, gemeinsam mit der Frühförderstelle der Lebenshilfe in Wiesloch einen Info-Nachmittag zu veranstalten, bei dem über integrative Beschulung informiert wird. Dieser fand dann auch Ende November im Kindergarten Morgentau statt. Ansonsten haben wir bisher vom Schulamt nichts mehr gehört. Unabhängig davon haben wir bei diversen Therapeuten (Ergo, Logo, KG) sowie Kinderärzten und bei nahezu allen Kindergärten aus dem Raum Wiesloch Handzettel und Plakate verteilt, dass wir Kinder mit Handicap suchen, die integrativ beschult werden sollen. Beim Info-Nachmittag des Schulamtes in Wiesloch habe ich jetzt verschiedene Kontakte knüpfen können. Wir werden jetzt forciert drangehen, für 2011 etwas auf die Beine zu stellen, da ja seitens des Schulamtes für 2010 (bisher) nicht viel geschehen ist.
Kontakt: Sandra Payer

NECKARBISCHOFSHEIM
Wir wohnen in Neckarbischofsheim (Rhein-Neckar-Kreis). Unser Sohn Louis (Down-Syndrom) wurde am 26.09.2005 geboren. Seit September 2008 besucht er bei uns im Ort den Regelkindergarten. Da es im Kindergarten ohne Probleme läuft (er hat nur einmal die Woche für 1,5 Stunden eine Integrationsmaßnahme in Form einer Heilpädagogin) und er dort voll integriert ist, wünschen wir uns in für die Schule ebenfalls eine Integration in der (einer) Regelschule im Ort oder ortsnah. Wir möchten, dass unser Kind nicht ausgegrenzt wird, sondern dass er die gleichen Möglichkeiten wie jedes andere Kind bekommt. Wir sehen, die Fortschritte, die unser Sohn in diesem Kindergartenjahr gemacht hat und wünschen uns für unser Kind eine Schulzeit mit seinen Kindergartenfreunden und keine Ausgrenzung. Deshalb suchen wir für das Jahr 2012 (Einschulung soll erst mit 7 Jahren erfolgen) interessierte Eltern, die ein Kind mit besonderem Förderbedarf haben. Wie die Erfahrung von Freunden zeigt, ist Integration ein langer Weg. Deshalb möchten wir schon jetzt aktiv werden, und nichts dem Zufall überlassen.
Kontakt: Familie Trunzer

LOBENFELD
Unsere Tochter Nadia mit Down-Syndrom wird im März 4 Jahre. Wir wohnen in Lobenfeld, Nadia besucht aber den evang. Kindergarten in Waldwimmersbach. Sie kommt offiziell 2012 in die Schule. Wir erwägen eventuell eine Rückstellung. Natürlich wünschen wir uns eine integrative Beschulung.
Kontakt: Catrin Birkholz

HEIDELBERG
Wir sind die Familie Eck und wohnen in Heidelberg-Rohrbach/Hasenleiser: Holger Wallitzer-Eck (42), Birgitta Eck (38), Mira Eck (5) und Arwed Eck (4). Arwed hat eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) und besucht seit September 2008 denselben Regelkindergarten (St. Theresia in Rohrbach) wie seine Schwester Mira. Arwed wird im Schuljahr 2012/2013 eingeschult. Wir wollen, dass Arwed die Regelschule vor Ort besucht und somit der Weg der Inklusion weiter gegangen wird, den er im Kindergarten und im Sportverein begonnen hat und der ihm und den nicht behinderten Kindern so gut tut. Wir wünschen uns für unseren Sohn: In Wohnortnähe zur Schule zu gehen, mit seinen Freunden, in der selben Schule wie seine Schwester, dass er Inklusion erlebt und gefordert wird. Wir verfolgen seit ca. einem Jahr mit Spannung die Wege und Weichen, die in Richtung Inklusion gestellt werden und hoffen, dass wir mit unserem Sohn und alle, die solche Wege für ihre förderbedürftigen Kinder als großen Gewinn sehen, diese neuen Wege gehen dürfen. Wir würden uns über den Kontakt zu Familien die Kinder mit Förderbedarf haben und auch 2012/2013 eingeschult werden sehr freuen.
Kontakt: Familie Wallitzer/Eck