Aktuell Aktuelle Berichte 2.Integrationstag
2. Integrationstag in Baden-Württemberg

Am 27. September 2008 fand unter dem Motto: „Gemeinsame Bildung – Übergänge schaffen und gestalten“ an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg der 2. Integrationstag in Baden-Württemberg statt, an dem ca. 200 Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen teilnahmen.
Nach den einleitenden Begrüßungsreden und einem kleinen selbstentwickelten Theaterstück von SchülerInnen einer integrativen Klasse in Konstanz, stellten zwei Pädagogen aus Südtirol dar, wie dort - wo es keine Sonderschulen gibt - Kinder mit Beeinträchtigungen / mit „Lernschwäche“ / Kinder mit einer „Funktionsdiagnose“ in den allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Neidisch nahmen wir zur Kenntnis, dass alle Kinder in die wohnortnahe Schule eingeschult werden, die sie 8 Jahre (5 Jahre Grundschule, 3 Jahre Mittelstufe) lang besuchen. Die dort übliche Klassenfrequenz liegt bei ca. 20 SchülerInnen und die Unterrichtsverpflichtung für LehrerInnen der Grundstufe bei 22 Stunden (Mittelstufe: 20 Std.). Klassen, in denen Kinder mit Funktionsdiagnose unterrichtet werden, werden von sog. Integrationslehrpersonen unterstützt (pro 2 Klassen werden 3 LehrerInnen eingesetzt). Um Integrationslehrperson zu werden, bietet Südtirol eine 2jährige berufsbegleitende Ausbildung an.
Nach dem Mittagessen, das von SchülerInnen der nahe gelegenen Schule für Geistigbehinderte angeboten wurde, berichteten eine Mutter (ISEP Kuchen) und ein Lehrer (ISEP Karlsruhe) im Interview über ihre langjährigen Erfahrungen zum gemeinsamen Unterricht. Beide beschrieben diese Form als für die SchülerInnen sehr positiv und erfolgreich, auch wenn immer wieder Herausforderungen und Hürden zu überwinden waren. Umso unverständlicher und bedauerlicher ist die derzeitige Weigerung des Kultusministeriums, weitere ISEPe – wie z.B. in Emmendingen – einzurichten.

In den anschließenden Foren reichte das Themenspektrum vom Übergang Kindergarten - Grundschule bis hin zum Übergang Schule –Ausbildung – Arbeit.

Während das Land die organisatorische Zuordnung von Kindern mit Beeinträchtigungen zur Sonderschule verstärkt verlangt, bevor Projekte zum gemeinsamen Lernen (Außenklassen) genehmigt und mit den nötigen Ressourcen versorgt werden, fordern die Eltern und mit ihnen viele PädagogInnen eine radikale Kehrtwende hin zu „ einer Schule für alle“. Dafür treten sie ein und kämpfen sie.

Der Integrationstag hat dabei zur Vernetzung und gegenseitigen Information beigetragen. Aber die Auseinandersetzungen vor Ort bleiben schwierig und verlangen ein hohes Engagement und Durchhaltevermögen.

(Rotraut Engler-Soyer)