Diese Seite wurde zuletzt am 21.04.2009 geändert
Aktuell Aktuelle Berichte Nachgefragt und noch mal nachgefragt
Nachgefragt und noch mal nachgefragt

Schon im November vergangenen Jahres hatten wir uns an den im Kultusministerium zuständigen Referenten für Sonderpädagogik Sönke Asmussen gewandt, weil wir vor dem Hintergrund der de facto-Abschaffung im Rhein-Neckar-Kreis wissen wissen wollten, ob das Ministerium weiter auf Integrative Schulentwicklungsprojekte (ISEP) setzt oder welche Modelle es favorisiert. Nachdem wir keine Antwort erhalten hatten, haben wir unsere Fragen im Januar 2009 noch einmal an Minister Rau und seinen Staatssekretär Wacker gerichtet. Am 24. März haben wir von Herrn Rau eine schriftliche Antwort erhalten, die für uns auf der einen Seite interessante Informationen enthielt, aber auf der anderen Seite wieder viele Fragen offen ließ. Deshalb haben wir dem Minister umgehend in dem unten abgedruckten Schreiben geantwortet. Da wir im ersten Absatz ausführlich das Schreiben des Kultusministers zitieren, haben wir darauf verzichtet, es hier noch einmal abzudrucken.



"Sehr geehrter Herr Rau, vielen Dank für Ihr Schreiben vom 24.03.09. Sie erläutern darin die bekannten unterschiedlichen Möglichkeiten für den Gemeinsamen Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen in den allgemeinen Schulen Baden-Württembergs:
  1. Einzelintegration ist danach nur unter der Prämisse der Zielgleichheit möglich, gegebenenfalls mit subsidiärer sonderpädagogischer Unterstützung.

  2. Außenklassen, bei denen eine reguläre Sonderschulklasse mit ihrem Personal an eine allgemeine Schule ausgelagert wird und dort mit einer Klasse der allgemeinen Schule (mehr oder weniger umfänglich) kooperiert. Voraussetzung ist ein eigener Klassenraum für die Sonderschulklasse.

  3. Anstelle von Integrativen Schulentwicklungsprojekten können nun vor Ort "kooperative Lösungen" entwickelt werden, in denen Kinder unterschiedlicher Behinderungsarten gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden. Erstere bleiben organisatorisch den jeweils kooperierenden Sonderschulen zugeordnet.

  4. Die Frage, ob integrative Schulentwicklungsprojekte, bei denen die alle Kinder oder Jugendliche Schüler der allgemeinen Schule sind, weiterhin zugelassen werden, lassen Sie unbeantwortet.
Dagegen ist unser Ziel mit dem Schlagwort "Eine Schule für alle Kinder" gut beschrieben. Das ISEP ist ein Schritt in diese Richtung, auf das wir nicht verzichten wollen. Aber auch bei allen anderen Formen des Gemeinsamen Unterrichts gibt es für Kinder mit Behinderungen und ihre Eltern weder einen Rechtsanspruch noch die Sicherheit, dass ihr Anliegen in die Realität umgesetzt wird. Wir erleben es als sehr zufällig und kaum von uns beeinflussbar, welche Form an welchem Standort eingerichtet wird. Dies hängt (neben dem schwierigen Procedere der Zustimmung aller Gremien) insbesondere ab von der personellen und sächlichen Ausstattung der Sonderschulen und den zufälligen Klassengrößen an den allgemeinen Schulen. Deshalb ist es aus unserer Sicht unabdingbar notwendig, dass für den Gemeinsamen Unterricht eigenständig Ressourcen eingeplant werden. D.h.:
  1. Allgemeine Schulen erhalten die Möglichkeit, kleine Klassen (max. 18 Kinder) zu bilden, wenn sie "kooperative Lösungen" realisieren möchten. Diese werden nämlich per se unmöglich, wenn die Regelklasse bereits 25 oder gar 30 Kinder hat.

  2. Die Sachkostenzuschüsse für die Kinder mit Behinderungen in "kooperativen Lösungen" stehen der allgemeinen Schule zur Verfügung, nicht wie bisher den auslagernden Sonderschulen.

  3. Für "kooperative Lösungen" steht ein eigenständiger Pool an Lehrerstunden (Sonderschullehrer und Fachlehrer) zur Verfügung. Immer wieder erleben wir, dass die personell teilweise stark unterbesetzten Sonderschulen sich nicht in der Lage sehen, Lehrer für den Gemeinsamen Unterricht abzustellen.



Nach der Unterzeichnung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (insbesondere 24) halten wir es wie viele andere Initiativen auch für erforderlich, weitere Schritte hin zu "einer Schule für alle" einzuleiten. Veränderungen bei der Vergabe von Mitteln und Lehrerstunden sowie die Möglichkeit einer angemessenen Klassenbildung sind dabei unabdingbar. Über eine zeitnahe Stellungnahme zu unseren Forderungen freuen wir uns sehr.

Mit freundlichen Grüßen
Rotraut Engler-Soyer,
Elterninitiative Rhein-Neckar "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen" e.V."
(4/09)